800 Jahr Feier Silberbergbau in Scharfenberg

Wie alles begann?

Wahrscheinlich haben wir bei dem Wiederaufbau unseres Hauses zu oft auf dieses Foto mit den Bergleuten vor unserem Haus geschaut. Schließlich ist es mit 2 weiteren Fotos der einzige Anhaltspunkt für uns gewesen. Irgendwann kam die Idee, wenn schon das Haus wieder so aufgebaut wird wie auf dem Foto dann können wir ja auch dieses Foto mit den Bergleuten nachstellen.

Festtag wohl am 22.07.1885

Aber wie bekommt man so viele Bergleute hierher?

Aus den Geschäftsberichten der Grube Güte Gottes wussten wir, daß jedes Jahr zum Streittag am 22.07. ein Fest veranstaltet wurde. Aus alten Überlieferungen wissen wir, daß sich die Bergmannschaft im Paradehabit vor dem Schachthaus traf wo das Foto, wohl im Jahr 1885, entstand. Danach ging der Prozessions-Zug zur Kirche nach Naustadt zu einem Gottesdienst. Die Bergmannskapelle wurde in Freiberg gemietet da Scharfenberg keine eigene hatte. In der Kirche wurde der Gottesdienst oft mit Kreuzschülern aus Dresden mit Gesang untermalt. Die Straßen waren mit Girlanden geschmückt und Frauen und Kinder winkten vor den Häusern in Gruben. Danach gingen die Bergleute nach Hause zum Mittagessen und trafen sich anschließend am Elbgasthof wo auf den Elbwiesen Schausteller mit Karussells zum Essen und Tanzen einluden. Auch die besondere 5. Scharfenberger Strophe wird beschrieben. Es entwickelten sich klare Bilder für unser Vorhaben.

Bei dem Bericht von Yves Hoffmann über den Silberbergbau in Scharfenberg fiel das erste Datum von der schriftlichen Erwähnung auf den 23.03.1222. Na runder ging es ja nun nicht mehr zumal die erste Urkunde dann erst am 25.08.1294 ausgestellt wurde. Nein so lange wollten und konnten wir nicht warten. Also Kalender aufgeschlagen und der 23.03.2022 war ein Dienstag. Daher planten wir unser großes Fest an dem Wochenende darauf. Eine Idee, ein Traum war geboren und von nun an erzählten wir stolz unseren interessierten Gästen, die das alte Foto bestaunten, daß wir dieses Foto nachstellen wollen.

Und je öfter man einen Traum erzählt…

Über den sächsischen Heimatschutzkalender bekamen wir die Möglichkeit einen Artikel in den Kalender 2022 einzustellen und wählten natürlich bei dem Wochenkalender genau diese Woche aus.

Bis dahin war noch nicht wirklich viel geplant und dann kam Corona noch dazu. Wie werden die Beschränkungen sein zu welcher Jahreszeit? Wann werden im Erzgebirge die großen Bergparaden sein, so daß wir gar keine Bergleute nach Scharfenberg bekommen? Alles blieb ungewiss. Wir wollten das Fest aber nicht nur für uns machen sondern auch Gästen die Möglichkeit geben die Geschichte wieder zu bestaunen. Daher mussten wir uns entscheiden den Termin beizubehalten mit allen Unsicherheiten oder verschieben. Wir haben uns für den neuen Termin 22.05.2022 entschieden und direkt an dem 23.03.2022 ein kleines Fest mit den Vereinsmitgliedern am Mundloch durchgeführt.

Da waren die Vorbereitungen schon in vollem Gange und es kam eine Menge auf uns zu.

Einladungen schreiben, Abläufe planen, Ansprechpartner gewinnen. Pfarrer Rechenberg konnten wir sehr schnell von einem Berggottesdienst an diesem Tag begeistern. Bürgermeister Knöfel war auch von diesem besonderen Tag begeistert und sicherte uns die Unterstützung der Gemeinde zu. Archäologe Dr. Hoffmann war bereit seinen Vortrag bei uns noch einmal zu halten. Eine Festschrift, wie die Scharfenberger Heimatblätter, sollte das historische Ereignis untermalen.

Eines stand fest.

Das können wir nicht alleine stemmen weder personell noch finanziell. Ob Freiberger-Musikkorps-Saxonia die uns auf jeden Fall musikalisch begleiten wollten oder die Vereinsfahne die schon immer ein Traum war und jetzt zum Jubiläum einen passenden Rahmen erhalten sollte oder das Zelt für die Gäste zum Vortrag oder bei Regenwetter. Ja und hungrig und durstig wollten wir unsere Gäste auch nicht lassen. Helfer und Sponsoren mussten gefunden werden, Fördermittelanträge gestellt und Angebote eingeholt werden.

Ob uns zwischendrin der Mut verlassen hat?

Sicher so einige Male. Immer wenn neue Herausforderungen sich uns in den Weg stellten oder Kosten untragbar erschienen. Steine die einem im Weg liegen kann man bei Seite rollen und wenn die erstmal in Bewegung sind gibt es auch neue Wege. Dann kam immer wieder die Frage: „Mit wie vielen Gästen rechnet ihr denn?“ Leider war unsere Glaskugel gerade kaputt und keiner konnte das sagen. Schließlich gab es seit mindestens 125 Jahren kein solches Fest und das auch noch nach so einer einschränkenden Zeit. Am Ende hatten wir mehr Angst vor zu vielen Gästen als vor zu wenigen denn es sollte doch für alle ein schönes Fest werden.

Das Wetter meinte es sehr gut mit uns und als am Donnerstag vor dem Termin das Zelt aufgebaut wurde und viele Helfer da waren lief es einfach nur noch. Wir konnten hier eh nichts mehr ändern – mussten wir aber doch. Die Essensverpflegung mit dem Feuerwehrverein war wohl doch nicht so gut abgesprochen. Nun mussten wir Plan B fahren. Lier Veranstaltungsservice und Freunde aus Dresden nahmen die Aufgabe an und organisierten alles kurzfristig für den Sonntag um. Der Verein hat am Freitag dann noch einen Putzeinsatz im Heimatmuseum mit den Toiletten absolviert. Schließlich sollte das Museum auch geöffnet werden. Restauratoren hatten zwar den Staub aus den Vitrinen im Bergbau-Zimmer beseitigt aber wir wollten daß der Besuch wirklich Freude macht und dafür ist halt doch noch etwas mehr Pflege notwendig.

Samstag noch Parkplatzschilder verteilen und den letzten Schmuck anlegen und dann was leckeres grillen, viel lachen und gut schlafen. Der Sonntag ist zum genießen da und die Sonne lacht mit uns.

Eintreffen der Bergleute vor dem Gottesdienst

Aufregung? Nein, einfach nur Freude mit den vielen Menschen vor der Kirche. Ein Wiedersehen und Begrüßen ein Staunen und Raunen. Majestätisch füllte sich die Kirche mit den Bergleuten, so daß neben dem Ökumenischen Chor aus Meißen und vielen Gästen aus dem Ort am Ende gar nicht alle einen Sitzplatz erhielten. Schade für die, die sich nicht zum Gottesdienst aufgemacht haben, denn es war wirklich ein besonderer Berggottesdienst mit einem Überraschungs-Gast und einem fröhlichen Glück-Auf Lied und interessanten Verbindungen zwischen früher und heute. Die neue Vereinsfahne wurde gewidmet. Pfarrer Rechenberg hatte sich mit dem Thema Bergbau intensiv beschäftigt und einen begeisternden Rahmen geschaffen mit einer großen Würdigung „… des kleinen aber liebenswerten Vereins Historischer Scharfenberger Silberbergbau e.V….“

Einmarsch der Bergleute in die Kirche zum Gottesdienst

So positiv gestimmt ging dann die Bergparade durch den Ort gesäumt von vielen Besuchern und Gästen auch aus umliegenden Orten. Das kleine Scharfenberg ganz groß. Spaß hat es gemacht die Parade anzuführen und die Fahne durch den Ort zu geleiten. 16 Vereine mit 122 Habitträgern aus der näheren und weiteren Umgebung des Erzgebirges begleiteten uns und gaben ein tolles Bild ab.

Bergparade durch Scharfenberg

Ach ja das Bild. Das war doch der Ursprung des ganzen. Was macht es dann jetzt noch daß der Fotograf nicht da ist? Daß der ganze Hof vorm Hoffnungsschacht voller Menschen ist. Keine Ahnung wie wir das alles koordinieren wollen und Emotionen sich ihren Weg suchen.

Das schöne an einer Gemeinschaft ist, daß immer mal einer schwächeln kann während die anderen weitermachen. Und plötzlich lief es wieder. Liebevolle Grußworte und ein freudiges Glück Auf Lied, zufriedene Gesichter und „Bitte Lächeln!“

Aufstellung vor dem Hoffnungsschacht

Ja das Foto ist gelungen, und jetzt Bergparade rührt euch zum Essen und Trinken und Feiern und Staunen. Manche sind das erste mal da und staunen nicht schlecht beim Blick in den Hoffnungsschacht oder auf die alten Riße von Scharfenberg. Ein Modell vom Haus aus dem Jahr 1885 im Maßstab 1:25 von Peter Kohl erbaut, gibt Einblicke in die Arbeit von damals. Unmengen an Fragen beantwortet der Verein und die Fahne wird auch genauer inspiziert. Viele Einheimische lauschen gespannt dem Archäologen Dr. Hoffmann bei seiner Zeitreise durch Scharfenberg.

Zufrieden, glücklich, stolz, erleichtert und ganz schön fertig beenden wir den Tag, den wir so schnell nicht vergessen werden. Wir danken allen kleinen und großen, heimlichen und unheimlichen Helfern, ohne die der Traum nicht umsetzbar gewesen wäre.

Antje Arlautzki und Andreas Lier vom Hoffnungsschacht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.